Eine befreundete Kollegin bekam vor Kurzem eine niederschmetternde Diagnose. Ich möchte gerne für sie da sein, sozusagen in „guten wie in schlechten Tagen“ und überlege, wie mir das gelingt.
Sprechen über Mulmiges, Beängstigendes und das Teilen von Sorgen braucht ein Gegenüber. Nur eine vertraute Person kann helfen, Gefühle und Verunsicherungen anzusprechen und behutsam einzuordnen. Dadurch werden Hilflosigkeit, Frustration und Ängste weniger. Das kann der betroffenen Person helfen, das Unausweichliche zu akzeptieren und ihre Gefühle zu benennen.
Dazu braucht es kein besonderes Empathievermögen, sondern lediglich Zeit und zwei Ohren. Achtsames Zuhören bedeutet nicht, Ratschläge zu erteilen, sondern einfach nur wohlwollend zu grunzen und zu nicken oder mimisch mitzuschwingen. Manchmal heißt es aber auch nachzufragen „Wie geht es dir im Moment damit?“. Manchmal bedeutet das auch zu sagen: „Mensch, das hört sich echt fies an!“ oder Ähnliches. Meine Freundin braucht das Gefühl, dass jede Empfindung berechtigt ist, egal was sie äußert.
Mitfühlen ist in der buddhistischen Psychotherapie die Basis und Grundlage von Heilung. Um einen meiner liebsten Lehrer, Thich Nhat Than, zu zitieren: „Wenn du wirklich jemandem zuhören möchtest, dann musst du mit all deiner Aufmerksamkeit da sein. Du musst zuhören mit dem Ziel, ihm oder ihr helfen zu leiden.“ Wissenschaftler nennen das emotionale Validierung durch ein Gegenüber, um die Zugehörigkeit untereinander zu stärken und das emotionale Erleben zu regulieren.
Ich werde mir für diesen lieben Mensch Zeit nehmen und mich freuen, dass sie sich mir öffnet und ich damit an ihrer Heilung mitwirken darf. Zuhören, Grunzen, In-den-Arm-Nehmen. Das krieg ich hin!
Welche Erfahrungen habt Ihr mit diesem Thema gemacht? Wie haben Euch Menschen geholfen, wenn Ihr selbst durch düstere Zeiten gegangen seid? Schreibt mir.
Herzliche Frühlingsgrüße,
Deine